DKP
Deutsche Kommunistische Partei
Nordheide
Legenden des Sozialabbaus
- Die offizielle Entscheidung
ist die für einen starken Euro, der es ermöglichen soll, die europäische
Wirtschaft zu stimulieren, indem die internationalen Finanzanlagen stimuliert
und Investitionen in einem Umfeld von schwacher Inflation gefördert
werden.
Um einen starken Euro zu erhalten, muss eine Hochzinspolitik praktiziert
werden, die Konsum und Investitionen benachteiligt.
Ebenso ist ein starker
Euro das Resultat einer Sparzwangpolitik, deren Effektivität über
eine Reduzierung der öffentlichen Defizite und der sozialen Absicherungssysteme
geht.
Der starke Euro wird also in mehr Arbeitslosigkeit und weniger soziale Absicherung
und folglich in mehr soziale Konflikte einmünden.
(Zitat von Serge Perrault, französischer Wirtschaftswissenschaftler)
- Ganz überwiegend wird in Deutschland
als das zentrale Problem der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eine
„Kostenexplosion“ gesehen – und das seit über 20 Jahren. Der Umstand, dass
ein Vorgang, der mehr als 20 Jahre anhält, schlecht als Explosion bezeichnet
werden kann, hat der populistischen Wirksamkeit dieser Metapher bisher nicht
geschadet. Tatsächlich aber gibt es keine solche Explosion: Der Anteil der
GKV-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist seit Beginn der achtziger
Jahre mit ca. 6 % konstant, das heißt, das die GKV-Ausgaben für das Gesundheitswesen
nicht schneller steigen als das Wirtschaftswachstum.
- Die Beitragssätze der GKV stiegen
von ca. 12,5% zu Beginn der achtziger Jahre auf heute durchschnittlich 14%.
Dies geschah nicht wegen explodierender Kosten, sondern vor allem wegen
der sinkenden Lohnquote. Lag diese 1980 noch bei 74,5%, so ist sie bis zum
Jahr 2001 auf 65,2% gesunken. In dieser Entwicklung spiegeln sich vor allem
die Folgen der strukturellen Massenarbeitslosigkeit, die Ausdehnung von
Arbeitsverträgen jenseits des Normalarbeitsverhältnisses sowie die verteilungspolitische
Defensive infolge dieser Verwerfungen auf den Arbeitsmärkten. Fazit: Wir
haben keine Kostenexplosion, sondern eine Einnahme-Erosion zu verzeichnen.
- Kostenexplosion wegen Überalterung?
Nein. Nicht das Alter ist entscheidend für die Kosten sondern die Nähe zum
Tod, da im letzten Lebensjahr ca. 1/3 der lebenslangen Versorgungskosten
anfallen. Bei jünger Versterbenden sind die Kosten noch wesentlich höher
als bei älteren Menschen. Zudem gibt es einen gegenläufigen Trend. Heute
75jährige sind so gesund wie 65jährige vor 15 Jahren.
- Kostenexplosion wegen Überalterung?
Nein. Berechnungen des angesehenen DIW in einem Ende 2001 veröffentlichten
Gutachten für das BMWi haben ergeben, dass der demografische Wandel in den
drei Jahrzehnten davor keinen nennenswerten Einfluss auf die Beitragssätze
ausgeübt hat. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung (SVR) ist auf Basis umfangreicher Berechnungen zu dem Ergebnis
gelangt, dass die demografiebedingten Kostensteigerungen in der Krankenversorgung
zwischen einem halben und einem Prozent pro Jahr liegen. Das ist zwar mehr
als nichts, aber es ist gewiss auch kein Grund für einen Systemwechsel oder
gar zur Panik.
- Die zehn wichtigsten chronischen
Erkrankungen verursachen zusammen ca. 2/3 der Krankheits- und Sterbelast.
Hierfür müssen mehr als 3/4 der GKV-Ausgaben aufgewendet werden, nämlich
für die sog. big killers (v. a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebse, Unfälle
im jüngeren und mittleren Alter) und die big cripplers (v. a. degenerative
Muskel- und Skelett- Erkrankungen, Diabetes, psychisch manifestierte Leiden
einschließlich der Suchtkrankheiten). Bis auf die Unfälle alles langwierige
Erkrankungen, die allenfalls gelindert werden können. Auf diesen Wandel
hat sich die Krankenversorgung, die einst für die Versorgung von Infektionen,
Unfällen und anderen Akutkrankheiten gewachsen ist, bis heute nicht eingestellt.
- Sozialausgaben sind keine Staatsausgaben:
Staatsausgaben finanzieren sich aus nicht zweckgebundenen Steuern. Sozialabgaben
sind keine Steuern, die der Staat für etwas verbraucht, sondern sie sind
Versicherungsleistungen, die vom Staat umverteilt werden. Die einzigen Kosten,
die der Sozialstaat verursacht, sind Verwaltungskosten, ggf. Zuschüsse –
der Rest sind Versicherungsleistungen.
- Privat ist besser? Nein! Die
Folgen fehlender Versicherungspflicht führen in den USA dazu, dass 44 Millionen
Menschen nicht krankenversichert sind. Unfälle und Krankheit sind persönliches
Schicksal, mit der Folge, dass schon ein einfacher Krankenhausaufenthalt
eine Familie ruinieren kann. Doch entgegen der Erwartung ist dieses System
nicht einmal billiger: Keine Gesellschaft der Welt gibt im Durchschnitt
auch nur annähernd so viel Geld für ihre Gesundheit aus wie die us-amerikanische.
- Steigende Beitragssätze sind
zurückzuführen auf die sinkende Lohnquote. Und die sinkt wegen
ständig steigender bzw. auf sehr hohem Niveau verharrender Arbeitslosigkeit.
Auch die Nichteinbeziehung von Gewinn- und Vermögenseinkommen zur Ermittlung
der Beiträge lässt die Quote sinken.
- Solange der gesellschaftliche
Reichtum (Bruttosozialprodukt) nicht langsamer steigt als die Kosten der
Sozialsysteme, gibt es keine grundsätzlichen Finanzierungs-, sondern lediglich
Akzeptanzprobleme!
- Steigende Beitragssätze bedeuten
ein steigen der so genannten Lohnnebenkosten. Dadurch wird Arbeit für das
Unternehmen teurer. So weit so gut.
Als Bewertung der Gesamtbelastung der Unternehmen ist diese Aussage aber
unzureichend, denn die Lohnnebenkosten sind nur ein Teil der gesamten Lohnkosten.
Nur auf einer solchen Basis kann beurteilt werden, ob Arbeit tatsächlich
zu teuer geworden ist. Deutschland liegt hierbei in der Tat höher als z.B.
die USA oder Frankreich.
Für eine Industrienation mit starker Exportausrichtung sagt das aber immer
noch nichts über die Wettbewerbsfähigkeit aus. Entscheidend sind nämlich
nicht nur die Arbeitskosten, sondern auch das, was mit der so erkauften
Arbeit produziert wird. Ein geeignetes Maß um dies zu beurteilen sind die
Lohnstückkosten. Sie berücksichtigen die Leistung, die Arbeitsproduktivität.
- Angenommen, die Aufteilung des
jährlich neu erarbeiteten Reichtums wäre in den letzten 20 Jahren zwischen
Beschäftigten und Unternehmern gleich geblieben, dann könnten unsere Tarifeinkommen
heute um rund 17 Prozent höher sein. (Gewerkschaft verdi)
- „Die gesamtwirtschaftlichen
nominalen Lohnstückkosten in nationaler Währung sind zwischen 1991 und 2001
in Großbritannien auf 126,7 %, in den USA auf 124,5 %, in Italien auf 123,0
%, in Deutschland auf 116,7 % und in Frankreich auf 115,0 % gestiegen.“
(vgl. Mai, K.; 2002: S. 2) Deutschland hat also keine extrem ungünstige
Steigerung der Lohnstückkosten im Vergleich zu seinen direkten Weltmarktkonkurrenten
zu verzeichnen.
- „Die Steuer- und Abgabenquote
(einschließlich Sozialversicherungen) betrug im Jahr 2001 in Deutschland
36,4 Prozent. Dieser Wert wird in Europa von den größeren Volkswirtschaften
nur noch von Spanien mit 35,2 Prozent unterschritten. Sonst haben in Europa
nur Portugal, die Schweiz und Irland niedrigere Quoten.“ (bundesregierung.de,
2003)
- Häufig wird behauptet,
dass Menschen bei zu hoher Abgabenlast nicht mehr arbeiten wollen, jedenfalls
nicht in sozialversicherungspflichtigen, regulären Arbeitsverhältnissen.
Diese Behauptung ist empirisch nicht belegbar und gehört somit in das
Reich der Legenden.
- Die politische Entscheidung
der Regierung Kohl, die sozialen Folgen (z.B. Arbeitslosigkeit durch Deindustrialisierung
Ostdeutschlands) über das Sozialversicherungssystem, also die Beitragszahler
der alten BRD tragen zu lassen, zeitigt bis heute Folgen.
Zwischen 1991 und 1999 belief sich der im Zuge der Übernahme der DDR erfolgende
Transfer bei der Arbeitslosen- und Rentenversicherung auf insgesamt 270
Mrd. DM.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat in den vergangenen Jahren
wiederholt darauf hingewiesen, dass in der Belastung der Sozialversicherung
mit vereinigungsbedingten Folgelasten die Ursache für die finanziellen Probleme
der gesamtdeutschen Sozialversicherung zu suchen ist. Wäre diese Art
der Kostenabwälzung nicht erfolgt, hätte die Sozialversicherung jedes
Jahr trotz der auch im Westen hohen Erwerbslosigkeit Überschüsse in teils
beträchtlicher Höhe erwirtschaftet.
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Um
auf Herrn Schäubles bisherige Rente zu kommen, müsste unser Durchschnittsverdiener
immerhin noch 283 Jahre arbeiten.
Für
die 12 800 € Pension, die Alt-Bundeskanzler Kohl erhält, müsste
ein Durchschnittsverdiener 489 Jahre arbeiten, um auf eine gleich hohe Rente
zu kommen.
Unsere
geliebte Kanzlerin hatte es bis 2006 auch schon auf 7255 € gebracht. Da
wären für den armen Durchschnittsverdiener 277 Jahre fällig.
Ulla
Schmidt hätte 2006 satte 6920 € erhalten. Dafür müsste
der Durchschnittsverdiener 264 Jahre arbeiten.